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Die versteckten Kosten des Frauseins

  • Autorenbild: Anja Blodow
    Anja Blodow
  • 30. Juli
  • 6 Min. Lesezeit
Anja Blodow Vermögensaufbau

Es ist 5:42 Uhr, als mich das Baby weckt. Ich bleibe einen Moment liegen und rechne innerlich aus, wie viele Stunden Schlaf es wohl insgesamt geworden sind. Nicht besonders viele. Aber immerhin mehr, als viele andere Eltern bekommen. Danke an mein vorbildliches und meistens ziemlich leises Baby. 😊


Während ich aufstehe, höre ich schon die Zimmertür meines anderen Kindes. Inzwischen Schulkind und eigentlich ziemlich selbstständig. Eigentlich. Bis morgens auffällt, dass heute Sport ist, das Matheheft nicht da ist, wo es sein sollte oder ausgerechnet das Lieblings-T-shirt noch in der Wäsche liegt.


Es sind diese Kleinigkeiten, die für sich genommen völlig harmlos sind und über die man später sogar lachen kann. In dem Moment fühlt es sich allerdings eher so an, als würden zehn Browserfenster gleichzeitig in meinem Kopf aufgehen. Während der Kaffee durchläuft, denke ich darüber nach, ob wir noch genügend Windeln haben, erinnere mich daran, dass ich unbedingt den Besichtigungstermin verschieben muss, weil er genau auf einen Kinderarzttermin fällt, und sehe aus dem Augenwinkel die Unterlagen für die Mieterabrechnung einer Wohnung, die seit Tagen ordentlich gestapelt auf meinem Schreibtisch liegen. Jedes Mal, wenn ich daran vorbeilaufe, denke ich: Heute Abend nehme ich sie mir endlich vor.


Und dann ist der Tag eben schon wieder vorbei. Hab mit meinem tollen Team trotzdem eine Menge geschafft, mein Baby schläft tagsüber viel, könnte aber jederzeit aufwachen und das macht den Tag zu einem Next level Computerspiel.

Das Baby schläft irgendwann ein, das Schulkind möchte noch erzählen, was in der Schule passiert ist, zwischendurch klingelt noch einmal das Telefon und irgendwann sitze ich mit einer Tasse Tee auf dem Sofa. Die Unterlagen liegen immer noch dort, wo sie morgens schon lagen.

So sieht mein Alltag gerade aus. Und ich vermute, dass er sich gar nicht so sehr von dem vieler anderer Frauen unterscheidet.


Was mich in den letzten Monaten allerdings immer häufiger beschäftigt, ist gar nicht, wie voll meine Tage sind. Daran habe ich mich fast schon gewöhnt. Es ist vielmehr die Frage, welche Folgen dieser Alltag eigentlich langfristig hat.

Wir sprechen ständig darüber, wie teuer das Leben geworden ist. Über steigende Lebensmittelpreise, höhere Energiekosten oder darüber, dass der Familienurlaub inzwischen ein kleines Vermögen kostet. Das stimmt alles. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass es noch eine andere Rechnung gibt, die viele Frauen bezahlen und über die kaum jemand spricht.

Denn natürlich kostet ein Kind Geld. Das überrascht niemanden. Windeln, Kleidung, Kindergarten, Vereinsbeiträge oder Schulranzen, all das lässt sich ziemlich genau beziffern.


Was sich viel schwerer beziffern lässt, sind die Kosten, die nebenbei entstehen. Und genau diese meine ich mit den versteckten Kosten des Frauseins.

 

Die Rechnung schreibt niemand auf


Je länger ich Mutter bin, desto mehr fällt mir auf, dass kaum eine dieser Kosten etwas mit einer Rechnung zu tun hat.


Wir reduzieren unsere Arbeitszeit vielleicht für ein paar Jahre, weil die Betreuungszeiten einfach nicht zu unseren Arbeitszeiten passen. Wir suchen eine Kita mit längeren Öffnungszeiten, obwohl sie deutlich teurer ist. Wir bezahlen eine Babysitterin, weil ein wichtiger Geschäftstermin ansteht.


Nicht jede Familie kann auf Großeltern zurückgreifen, die spontan einspringen. Manche beschäftigen ein Au-pair oder organisieren sich mit einer Granny, andere tauschen sich mit Freunden oder Nachbarn ab. Und viele – so wie ich – stemmen den Alltag als Alleinerziehende.


Dadurch bekommen viele Entscheidungen plötzlich eine ganz andere Dimension. Wenn ein Kind krank wird, verschiebt sich nicht einfach nur der Kalender. Dann stellt sich ganz konkret die Frage: Wer kann heute übernehmen? Kann überhaupt jemand übernehmen? Muss ich einen Termin absagen, eine Betreuung organisieren oder meinen Arbeitstag komplett umplanen? Und wenn ich Betreuung organisiere, kostet sie Geld. Sage ich einen Termin ab, kostet mich das unter Umständen ebenfalls Geld.


Genau darin liegt für mich einer der größten Unterschiede. Viele der finanziellen Folgen des Mutterseins entstehen nicht durch eine große Entscheidung, sondern durch unzählige kleine Situationen, die sich über Jahre summieren. Eine zusätzliche Betreuung hier, weniger Arbeitsstunden dort, ein Auftrag, den man nicht annehmen kann, weil sich die Zeiten nicht mit dem Familienalltag vereinbaren lassen, oder eine Investition, die man auf später verschiebt, weil gerade einfach alles andere wichtiger erscheint.


Für sich genommen wirkt keine dieser Entscheidungen dramatisch. Zusammengenommen erzählen sie jedoch eine ganz andere Geschichte, nämlich die davon, warum viele Frauen trotz guter Ausbildung, viel Verantwortung und harter Arbeit langfristig weniger Vermögen aufbauen als sie eigentlich könnten.

Und genau die übersehen wir erstaunlich oft. Denn niemand setzt sich morgens an den Frühstückstisch und sagt: Heute treffe ich eine Entscheidung, die mich in zwanzig Jahren Vermögen kosten wird.

So funktioniert das Leben nicht.


Wir treffen Entscheidungen für unsere Familie, für unsere Kinder und das, was gerade im Alltag ansteht. Und erst viele Jahre später merken wir manchmal, dass jede einzelne davon zwar richtig war, sich in ihrer Summe aber trotzdem auf unser Einkommen, unsere Rente und unser Vermögen ausgewirkt hat.


Ich glaube, genau deshalb fällt es vielen Frauen so schwer, diesen Zusammenhang überhaupt zu erkennen. Es gibt nicht diesen einen großen Moment. Es gibt hunderte kleine.

 

Das Leben wartet nicht, bis wir Zeit für unsere Finanzen haben


Früher habe ich oft gedacht, dass es irgendwann diesen Moment geben würde, an dem wieder mehr Luft ist. Einen Abschnitt im Leben, in dem nicht ständig irgendetwas organisiert, entschieden oder geregelt werden muss und ich mich endlich um die Themen kümmern kann, die zwar wichtig sind, aber eben nie laut nach Aufmerksamkeit verlangen.


Heute muss ich darüber lauthals lachen. Ich bin Mitte vierzig, habe ein Schulkind, ein Baby, führe ein Unternehmen und bin alleinerziehend. Wenn mich heute jemand fragt, wann es denn wohl ruhiger wird, wahrscheinlich nie. :-)


Das Leben verläuft selten in ordentlichen Kapiteln. Es sagt nicht: "Jetzt sind die Kinder versorgt, jetzt kümmern wir uns mal um deine Finanzen." Stattdessen kommt immer wieder etwas Neues dazu. Ein krankes Kind. Eine wichtige berufliche Chance. Die Waschmaschine, die plötzlich den Geist aufgibt. Ein Elternabend. Die nächste Klassenfahrt. Ein Baby, das nachts doch öfter wach wird als gedacht. Oder Eltern, die langsam in ein Alter kommen, in dem sie selbst Unterstützung brauchen.


Und genau deshalb ist frühzeitiger Vermögensaufbau so wichtig

Es gibt keinen festen Termin, keine Frist und niemanden, der anruft und sagt: "Wenn Sie sich heute nicht damit beschäftigen, fehlen Ihnen in zwanzig Jahren vielleicht ein paar hunderttausend Euro." Das wäre eigentlich sehr nützlich, aber macht keiner. Deshalb schreibe ich diesen Newsletter und deshalb habe ich IMMOQUEEN gegründet. 

Denn wenn man es nicht aktiv anpackt, macht man erst einmal das, was gerade dringender erscheint.

Und morgen genauso.

Bis aus Monaten Jahre geworden sind.


Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass genau darin eine der größten finanziellen Fallen für Frauen liegt. Denn leider wartet der Vermögensaufbau nicht geduldig darauf, dass wir irgendwann Zeit für ihn haben. Er lebt von etwas, das wir nicht zurückbekommen: Zeit.

 

Warum Vermögen für Frauen so viel mehr bedeutet als Geld


Genau deshalb ist Vermögensaufbau für mich ein essentielles Thema, was bei jeder Frau auf Prio 1 stehen sollte.


Wenn ich heute eine Stunde weniger arbeite, verdiene ich in dieser Stunde kein Geld. Wenn ich krank werde oder eine längere Pause einlegen muss, hört mein Einkommen im Zweifel ebenfalls auf. Unser Arbeitseinkommen ist fast immer an unsere Zeit gekoppelt.

Vermögen funktioniert anders.


Eine gut ausgewählte Immobilie zum Beispiel fragt nicht danach, ob ich heute acht Stunden gearbeitet habe oder vier. Ob mein Baby krank war oder ich einen Bad Hair Day habe. Sie baut Monat für Monat Eigenkapital auf. Im Idealfall trägt die Miete einen Teil der Finanzierung mit, während der Kredit kleiner wird. Das passiert nicht spektakulär und schon gar nicht über Nacht. Es passiert leise. Monat für Monat. Jahr für Jahr.

Gerade für Frauen finde ich diesen Gedanken so verdammt wichtig. Unsere Lebensläufe verlaufen oft nicht geradlinig. Elternzeit, Teilzeit, eine Zeit als Alleinerziehende oder die Pflege von Angehörigen sind für viele keine Ausnahme, sondern Teil ihres Lebens. Umso wichtiger ist es, neben dem Arbeitseinkommen etwas aufzubauen, das nicht jedes Mal wieder bei null anfängt, sobald wir beruflich kürzertreten müssen.


Deshalb spreche ich bei IMMOQUEEN so häufig über Immobilien. Während wir leben, arbeiten, Kinder großziehen und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags bewältigen, kann im Hintergrund etwas entstehen, das uns später trägt.


Die versteckten Kosten des Frauseins werden wir wahrscheinlich nie ganz verhindern können. Es wird immer Phasen geben, in denen Familie Vorrang hat und wir Entscheidungen treffen, die kurzfristig zulasten unseres Einkommens gehen. Genau deshalb sollten diese Jahre nicht gleichzeitig zulasten unseres Vermögens gehen.

Für mich ist das der eigentliche Gedanke hinter finanzieller Unabhängigkeit. Sich Schritt für Schritt etwas aufzubauen, das einem später mehr Möglichkeiten gibt als heute. Denn wenn ich eines gelernt habe, dann dieses: Auf den perfekten Zeitpunkt für Vermögensaufbau zu warten, funktioniert selten. Das Leben ist nicht irgendwann vorbei organisiert. Deshalb muss Vermögensaufbau mitten im Leben stattfinden und nicht erst danach.

 
 
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