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Ich habe mir erlaubt, ein Kind alleine zu bekommen

  • Autorenbild: Anja Blodow
    Anja Blodow
  • 30. Juli
  • 6 Min. Lesezeit
Anja Blodow Mutter

Es gibt Entscheidungen, über die spricht unsere Gesellschaft erstaunlich selbstverständlich. Niemand hebt eine Augenbraue, wenn jemand erzählt, dass er sich ein Haus gekauft, ein Unternehmen gegründet oder ein Sabbatical genommen hat. Wir nennen das Selbstverwirklichung, applaudieren dem Mut und bewundern Menschen, die ihr Leben selbst gestalten. Sobald dieselbe Entschlossenheit allerdings beim Thema Kinder auftaucht, verändert sich plötzlich der Ton. Dann wird aus Selbstbestimmung schnell Egoismus, aus einem klaren Wunsch eine moralische Debatte und aus einer Frau, die bewusst Ja zu einem Kind sagt, jemand, der sich auf einmal erklären soll.


Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Widerspruch unserer Zeit. Wir erzählen Frauen seit Jahrzehnten, sie sollen unabhängig sein, finanziell auf eigenen Beinen stehen, Karriere machen, Vermögen aufbauen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Gleichzeitig erwarten wir noch immer erstaunlich häufig, dass ausgerechnet die vielleicht größte Entscheidung ihres Lebens möglichst vom Zufall abhängen sollte. Vom richtigen Mann. Vom richtigen Zeitpunkt. Von einer Beziehung, die hoffentlich lange genug hält. Oder schlicht davon, dass das Leben irgendwann beschließt, jetzt sei der passende Moment gekommen.


Ich habe irgendwann aufgehört, auf diesen Moment zu warten.

Nicht aus Ungeduld. Auch nicht aus Trotz. Sondern weil ich begriffen habe, dass Warten eine erstaunlich bequeme Strategie ist, solange man glaubt, Zeit sei unendlich verfügbar. Irgendwann merkt man allerdings, dass die biologische Uhr deutlich weniger diplomatisch ist als alle Menschen im eigenen Umfeld. Sie diskutiert nicht. Sie kennt keine Kompromisse und interessiert sich herzlich wenig dafür, ob der Partner fürs Leben gerade noch irgendwo unterwegs ist oder ob das Leben zufällig einen anderen Plan vorgesehen hatte. Tick tack tick tack.


Mit Mitte vierzig saß ich deshalb in einem Flugzeug nach Kopenhagen. Zwischen Geschäftsreisenden, Wochenendtouristen und Familien, die versuchten, ihre Kinder mit Butterbrezeln und Ausmalbüchern bei Laune zu halten, dachte ich einen Satz, der mir bis heute im Kopf geblieben ist.


"Jetzt fliege ich los und hole mein Kind."


Allein dieser Gedanke fühlte sich gleichzeitig vollkommen richtig und völlig absurd an. Ich wusste weder, wie oft ich ihn in den kommenden Tagen noch denken würde, noch ob ich später einmal darüber lachen könnte. Ich wusste nur, dass ich in diesem Moment etwas tat, worauf ich viele Jahre hingearbeitet hatte, ohne es selbst zu merken.


Denn die eigentliche Reise begann nicht an diesem Morgen am Flughafen.

Sie begann viele Jahre früher.

Mit meiner ersten Eigentumswohnung.

Mit jeder Miete, die nicht mehr nur die Immobilie eines anderen finanzierte.

Mit jeder Entscheidung, Geld nicht einfach auszugeben, sondern Vermögen aufzubauen.

Damals glaubte ich, ich investiere für meine Altersvorsorge.


Heute weiß ich, dass ich mir in Wahrheit etwas ganz anderes aufgebaut habe.

Ich habe mir die Freiheit aufgebaut, meinem Kinderwunsch nicht beim Verblassen zusehen zu müssen.

 

Was ein Kind kostet, kann Dir jeder sagen. Was es braucht, deutlich seltener.


Sobald eine Frau erzählt, dass sie Mutter werden möchte, dauert es meistens keine fünf Minuten, bis irgendjemand anfängt zu rechnen. Dann geht es um Kinderwagen, Kita-Plätze, Windeln, Klassenfahrten, Studium, größere Autos und die berühmte Frage, ob Kinder wirklich so teuer sind, wie alle behaupten. Ich habe diese Gespräche oft geführt und mich jedes Mal gefragt, warum wir eigentlich über alles sprechen – nur nicht über das Entscheidende.


Denn ein Kind braucht keine Eltern, die jeden Cent optimieren.

Es braucht Eltern, die Entscheidungen treffen können, ohne dass Existenzangst ständig mit am Tisch sitzt.

Vielleicht ist genau das der Unterschied.


Geld macht niemanden zu einer besseren Mutter. Es ersetzt keine Liebe, keine Geduld und schon gar keine schlaflosen Nächte. Aber Geld nimmt Druck aus Entscheidungen. Es entscheidet darüber, ob aus einem „Ich würde gerne noch ein Jahr zu Hause bleiben“ ein „Ich muss in sechs Monaten wieder arbeiten“ wird. Es entscheidet darüber, ob eine unerwartete Rechnung nur ärgerlich ist oder existenziell. Und manchmal entscheidet es sogar darüber, ob eine Frau ihren Kinderwunsch überhaupt lebt oder ihn irgendwann leise begräbt.


Das klingt unromantisch.

Ich finde inzwischen eher, dass es verantwortungsvoll klingt.

Denn wir romantisieren Kinder oft bis zu dem Punkt, an dem niemand mehr wagt, ehrlich über die Rahmenbedingungen zu sprechen. Liebe allein bezahlt keine Miete. Sie finanziert keine Elternzeit. Sie federt auch keine schlaflosen Nächte ab, wenn gleichzeitig die Sorge im Kopf kreist, wie das finanziell alles funktionieren soll.

Genau deshalb hat meine Geschichte nicht in Kopenhagen begonnen.

Sie begann viele Jahre früher.


Mit jeder einzelnen Entscheidung, einen Teil meines Einkommens nicht nur auszugeben, sondern in Vermögen zu verwandeln.

Damals dachte ich, ich sorge für später vor.


Heute weiß ich, dass ich mir etwas viel Wertvolleres aufgebaut habe.

Die Wahrheit ist: Ich hätte mich wahrscheinlich nie für ein Dasein als Single Mom dank Samenspende entschieden, wenn ich finanziell nicht unabhängig gewesen wäre.


Ich erinnere mich noch an diesen einen Gedanken: Kann ich ein Kind alleine bekommen?


Die Wahrheit ist: Ich hätte mich wahrscheinlich nie für eine Samenspende entschieden, wenn ich finanziell nicht unabhängig gewesen wäre.


Diesen Satz laut auszusprechen, fühlt sich für manche Menschen vermutlich unangenehm an. Für mich fühlt er sich einfach ehrlich an. Denn ich habe mir kein Kind gekauft. Ich habe mir die Freiheit aufgebaut, eine Entscheidung nicht davon abhängig machen zu müssen, ob sie mich finanziell überfordert.


An den Flug nach Kopenhagen erinnere ich mich trotzdem noch erstaunlich genau. Nicht, weil er außergewöhnlich gewesen wäre. Das Flugzeug sah aus wie jedes andere, der Kaffee schmeckte nach Flughafen und neben mir saß ein Mann, der vermutlich auf dem Weg zu einem Geschäftstermin war. Für ihn war es wahrscheinlich ein ganz normaler Dienstag.


Für mich war es keiner., denn je näher wir Kopenhagen kamen, desto lauter wurden nicht meine Zweifel, sondern diese innere Stimme, die vermutlich viele Frauen kennen.


Darfst du das überhaupt?

Ist das egoistisch?

Fehlt einem Kind nicht etwas?


Und dann tauchte eine andere Frage in meinem Kopf auf: Warum fühlt sich diese Entscheidung eigentlich so erklärungsbedürftig an?


Ich hatte mich nicht gegen einen Mann entschieden. Nicht gegen eine Beziehung. Ich hatte mich für ein Kind entschieden. Das ist ein Unterschied, den viele bis heute übersehen.


Rückblickend glaube ich sogar, dass diese Entscheidung gar nicht erst in Kopenhagen gefallen ist. Sie fiel viele Jahre früher, als ich begann, mich mit Geld zu beschäftigen, meine erste Immobilie kaufte und verstand, dass Vermögen nicht bedeutet, reich zu sein, sondern unabhängig entscheiden zu können. Ich empfinde mich als reich, weil ich Ja zu meinem Kinderwunsch sagen konnte – ohne vorher jemanden um Erlaubnis fragen zu müssen.


Was das alles mit Immobilien zu tun hat?


Wahrscheinlich mehr, als Du bis hierhin vermutet hast.

Als ich vor vielen Jahren meine erste Kapitalanlage gekauft habe, dachte ich daran, dass ich mir damit meinen „normalen“ Kinderwunsch erfüllen könnte, eben mit Partner. Ich wollte vernünftig sein, für später vorsorgen, mir ein zusätzliches Einkommen aufbauen und dazu nicht bis zur Rente ausschließlich von meiner Arbeitskraft abhängig sein. Das waren damals die Gründe, jedenfalls die, die ich benennen konnte. Heute glaube ich, dass ich schon damals an etwas gearbeitet habe, das ich selbst noch gar nicht greifen konnte.


Erst als ich mit Mitte vierzig im Flugzeug nach Kopenhagen saß, wurde mir klar, was ich in all den Jahren eigentlich aufgebaut hatte. Es waren nicht einfach Mieteinnahmen oder ein wachsendes Vermögen, sondern ein Sicherheitsnetz, das mich in einer der größten Entscheidungen meines Lebens aufgefangen hat. Zum ersten Mal musste ich mich nicht fragen, ob ich mir meinen Kinderwunsch finanziell leisten konnte, sondern nur noch, ob ich bereit war, diesen Weg zu gehen.


Ich bin überzeugt, dass ich ohne meine Immobilien eine andere Entscheidung getroffen hätte. Nicht unbedingt, weil das Geld für eine Kinderwunschbehandlung gefehlt hätte, sondern weil ich ständig die Folgen im Kopf gehabt hätte. Wie lange kann ich zu Hause bleiben? Was passiert, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert? Wie schnell muss ich wieder arbeiten? Genau diese Gedanken können aus einem Kinderwunsch plötzlich ein finanzielles Risiko machen.


Die Mieteinnahmen haben mir diese Fragen nicht vollständig genommen. Aber sie haben sie leiser werden lassen. Sie haben mir das Gefühl gegeben, dass nicht jede Entscheidung sofort existenzielle Konsequenzen hat und dass ich mir erlauben darf, für eine gewisse Zeit nicht nur Unternehmerin oder Investorin zu sein, sondern einfach Mutter.


Vielleicht sprechen wir deshalb viel zu oft über Immobilien, als ginge es dabei ausschließlich um Rendite, Zinssätze oder den nächsten Marktbericht. Für mich waren sie nie Selbstzweck. Sie waren ein Werkzeug. Ein Werkzeug, um mir Stück für Stück ein Leben aufzubauen, in dem wichtige Entscheidungen nicht davon abhängen, wie viel Geld am Monatsende auf meinem Girokonto liegt.


Deshalb erzähle ich diese Geschichte. Wie ich ein Kind alleine bekommen habe.

Nicht, weil ich glaube, dass jede Frau den gleichen Weg gehen sollte wie ich. Sondern weil ich mir wünsche, dass keine Frau ihren Kinderwunsch aus finanziellen Gründen begraben muss. Wir sprechen viel über die biologische Uhr, aber erschreckend selten darüber, wie viel leichter sich große Entscheidungen anfühlen, wenn die finanzielle Basis stimmt.


Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis, die ich aus den vergangenen Jahren mitgenommen habe: Vermögensaufbau verändert nicht automatisch Dein Leben. Aber er verändert den Spielraum, in dem Du Entscheidungen triffst.

Und manchmal entscheidet genau dieser Spielraum darüber, ob aus einem Traum irgendwann Wirklichkeit wird.

 
 
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