Wenn der Partner dagegen ist: Selbstständigkeit & Finanzen in der Beziehung
- Anja Blodow

- 10. Apr. 2025
- 5 Min. Lesezeit

Selbstständig machen? Investieren? Ein eigenes Business starten?
Was für viele ein aufregender Schritt in die finanzielle Unabhängigkeit ist, kann innerhalb einer Beziehung schnell zu Diskussionen oder sogar Konflikten führen. Einige Frauen erzählen, dass ihr Partner sie unterstützt – andere berichten von Zweifeln, Zurückhaltung oder direkter Ablehnung. Was also tun, wenn der eigene Wunsch nach Selbstständigkeit oder finanziellem Wachstum nicht auf Begeisterung trifft?
In diesem Artikel schauen wir uns an, warum verheiratete Frauen es oft schwerer haben, welche Herausforderungen es gibt – aber auch, wie eine Partnerschaft helfen kann, finanziellen Erfolg aufzubauen. Denn es geht nicht um Gegeneinander, sondern darum, wie man trotz unterschiedlicher Ansichten gemeinsam wachsen kann.
Warum ist das Thema Geld & Selbstständigkeit in Beziehungen so sensibel?
Geld ist weit mehr als Zahlen auf dem Konto. Es bedeutet Sicherheit, Freiheit, Kontrolle – und ist oft emotional aufgeladen. Besonders, wenn eine Frau den Wunsch äußert, sich finanziell unabhängig zu machen, kommen häufig bestimmte Reaktionen:
„Ist das nicht zu riskant?“
„Du verdienst doch gut, warum das alles aufs Spiel setzen?“
„Investieren? Das ist doch nur was für Leute mit viel Geld.“
Diese Bedenken sind oft nicht böse gemeint. Viele Männer (und Frauen) sind mit der Vorstellung aufgewachsen, dass finanzielle Sicherheit vor allem durch eine feste Anstellung gewährleistet wird. Laut einer Studie von Mastercard von 2022 fühlen sich 30 Prozent der Frauen in Deutschland finanziell abhängig, und 82 Prozent von ihnen glauben, niemals wirtschaftlich unabhängig zu werden. Dabei zählen 63 Prozent der Frauen in Deutschland finanzielle Unabhängigkeit zu den wichtigsten Zielen in ihrem Leben. Ich frage mich: Woher kommen dann diese Gefühle gegenüber Geld?
Gerade in langen Beziehungen gibt es oft unausgesprochene Rollenverteilungen. Wer ist bei einem Paar fürs Geld „zuständig“, wer „bewacht“ das Konto und kümmert sich ums Bezahlen von laufenden Rechnungen, wer macht die Steuererklärung, wer kümmert sich ums Depot? Wer verdient vielleicht mehr, und hat dadurch unausgesprochen „mehr zu sagen“? In vielen Beziehungen macht das oft der Mann, wenn es auch Familien gibt, wo die Frau die Finanzen im Griff hat. Aber wenn die Frau plötzlich finanziell neue Wege gehen will, neue Investments, neue Anlageklassen, oder eine eigene Selbständigkeit… dann werden die bestehenden Rollenverteilungen infrage gestellt werden. Der andere Partner kann sich angegriffen oder übergangen fühlen. Oder fühlt sich überlegen und traut den „neumodischen“ Ideen nicht. Doch finanzielle Unabhängigkeit bedeutet nicht, dass man den Partner weniger liebt – sondern, dass man für sich selbst Verantwortung übernimmt.
Wo eine Partnerschaft beim finanziellen Erfolg helfen kann
Nicht jede Beziehung bremst den Erfolg. Viele Frauen berichten davon, wie ihre Partner sie motiviert haben, ihre Ängste aufgegriffen und gemeinsam Lösungen gefunden wurden. Eine unterstützende Partnerschaft kann helfen:
Emotionale Sicherheit zu geben. Zu wissen, dass jemand hinter einem steht, egal was kommt, kann den Mut geben, loszulegen.
Gemeinsame finanzielle Ziele zu erreichen. Wenn beide an einem Strang ziehen, kann das langfristig einen stabilen finanziellen Wohlstand aufbauen. Man kann Steuervorteile oder Steuergestaltungen zusammen nutzen, was der Partnerschaft und der Familie zugutekommen kann.
Verantwortung zu teilen und Drittperspektiven zu bekommen. Gerade in der Selbstständigkeit kann es helfen, wenn jemand mitdenkt und unterstützt – sei es bei administrativen Dingen oder einfach als Gesprächspartner.
Transparenz über die eigenen und gemeinsamen Finanzen, ist nicht nur hilfreich, sondern notwendig. Es kann nicht sein, dass immer noch über 60% der Frauen ihren Ehemännern die Finanzen überlassen. Das schadet beiden Seiten.
Doch was, wenn der Partner nicht mitzieht?
Wann es wichtig ist, für sich selbst eine Entscheidung zu treffen
Es gibt einen Punkt, an dem Frauen erkennen, dass sie sich nicht gegen den Partner, sondern für sich selbst entscheiden müssen. Der Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit oder Selbstverwirklichung ist oft kein kurzfristiger Impuls, sondern eine tiefgehende Veränderung. Doch wenn der Partner diesen Weg nicht mitgeht, kann das herausfordernd sein.
Eine gute Freundin von mir erzählte zum Start ihrer Selbstständigkeit folgende Geschichte: „Mein Mann hielt meine Business-Idee für zu riskant (kleine Nische). Ich war stur, habe trotzdem klein angefangen, nebenberuflich an meiner Leidenschaft gearbeitet und erste Kunden gewonnen. Als er sah, dass es funktioniert, wurde er neugierig – heute unterstützt er mich, weil er sieht, dass es mein Herzensprojekt ist. Und - by the way – es unseren letzten Urlaub gezahlt hat.“
Aber auch wenn es um Investitionen, z.B. in Immobilien geht, höre ich immer wieder von vermeintlichen Problemen am Anfang der Überlegungen. Eine Kundin erzählte:
„Mein Partner hatte Angst, dass Investitionen unser gemeinsames Leben finanziell gefährden und er alles auffangen muss. Ich habe mit kleinen Beträgen angefangen, mich weitergebildet und ihm nach und nach meine Strategien erklärt. Irgendwann fing er selbst an, sich damit zu beschäftigen, und jetzt setzen wir uns gemeinsam Ziele.“
Nicht immer ändert sich die Meinung eines Partners – und das muss sie auch nicht. Wichtig ist, für sich selbst eine klare Haltung zu entwickeln: Wem gehört meine Zukunft? Manchmal bedeutet das, den eigenen Weg auch dann zu gehen, wenn nicht jeder ihn versteht oder unterstützt, das gilt auch für die eigene Familie. Es geht nicht um Rebellion, sondern darum, die eigene Verantwortung zu erkennen und zu übernehmen.
Denn viele Frauen haben wegen Teilzeit und Gender Pay Gap zurecht Angst vor einer Rentenlücke. Jetzt mag die Beziehung ja intakt sein, und die Rente ist über den Mann abgesichert. Aber was, wenn man sich trennt, oder der Mann stirbt oder einfach nur durch Krankheit Mehrausgaben entstehen? Dann wünschen sich viele Frauen, sie hätten doch mal früher im Leben „auf den Tisch gehauen“ und ihre eigene Rentenabsicherung in die Hand genommen. Bei einer Scheidungsrate von etwa 50 % und einer hohen Dunkelziffer unglücklicher Ehen, in denen Frauen sich aus finanziellen Gründen nicht trauen, die Trennung durchzuziehen, ergibt es für Frauen sehr viel Sinn, sich finanziell besser abzusichern und da nicht auf ein „ok“ des Partners zu warten.
Und eigentlich sollte es doch auch für einen Mann eine emotionale Entlastung sein, wenn nicht mehr die ganzen Finanzen der Familie an seiner Arbeitskraft hängen, und er als „Ernährer der Familie“ für alles herhalten muss. Und am Ende ist es auch wichtig, wie Frauen die Themen ansprechen können, ohne die Partnerschaft zu gefährden. Es kann alles sein von „Wenn dir was passiert, will ich Ahnung haben und die nötigen Finanzdinge allein können“, „ich will die Finanzthemen verstehen, damit wir gemeinsam noch bessere Lösungen für unser Geld finden können“, „ich will in der Rente abgesichert sein, damit wir uns zusammen ein schönes Leben machen können“, „ich will in Finanzsachen fitter sein, damit ich auch in der Arbeit selbstbewusster auftreten kann“, „ich will unseren Kindern ein Vorbild sein, und zwar mit Dir zusammen“.
Und wenn ein Partner echt ein Problem damit hat, wenn eine Frau ein eigenes Konto hat, eigene Investments und eigene Assets, dann ist es sowieso eine gute Idee, sich finanziell selbst abzusichern, notfalls auch gegen den Widerstand. Denn eine Partnerschaft sollte auf Augenhöhe geführt werden, und sie muss sich insbesondere für die Frau auf Augenhöhe anfühlen. Happy wife, happy life.
Liebe & Unabhängigkeit schließen sich nicht aus
Eine starke Beziehung basiert auf Vertrauen, Respekt und gegenseitiger Unterstützung – auch bei finanziellen Entscheidungen. Wenn Dein Partner Zweifel hat, ist das nicht automatisch ein Hindernis. Wichtig ist, offen zu kommunizieren, Ängste ernst zu nehmen, aber auch klar für Deine eigenen Ziele einzustehen.
Denn am Ende zählt nicht, ob jemand anderes an Deine Träume glaubt – sondern, dass Du es tust. Und manchmal hilft einfach loslegen, erste Ergebnisse haben und dann kommt der Partner selbst auf den Geschmack, dass es ein gute Idee ist.


