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Selbstständig oder angestellt: Was passt besser zu Dir?

  • Autorenbild: Anja Blodow
    Anja Blodow
  • 8. Mai 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Die Arbeitswelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Branchen, die lange als sicher galten, stehen vor großen Umbrüchen. In der Automobilindustrie führen der Wandel zur Elektromobilität und Automatisierung zu massiven Umstrukturierungen und Stellenstreichungen. Die Pharmabranche steht unter Druck durch Fusionen, Kosteneinsparungen und zunehmende Digitalisierung. Auch im Banken- und Finanzsektor setzen Automatisierung und neue Technologien viele klassische Arbeitsplätze unter Druck. Und über allem schwebt das Damoklesschwert der Künstlichen Intelligenz. Plus die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen und Geschehnisse hier und in anderen Ländern. Viele Menschen haben Angst vor ihrer finanziellen Zukunft, vor allem Frauen, die ohnehin ab einem gewissen Alter weniger Chancen im Jobmarkt haben. 


Diese Veränderungen zeigen, dass langfristige Arbeitsplatzsicherheit, wie sie früher oft als gegeben galt, heute nicht mehr selbstverständlich ist. Restrukturierungen, Digitalisierung und neue Marktanforderungen verändern viele Berufsfelder grundlegend – oft unabhängig davon, wie gut oder lange jemand in einem Unternehmen tätig ist.


Doch während wir darauf nur wenig direkten Einfluss haben, können wir uns mit diesen Entwicklungen auseinandersetzen und überlegen, was sie für uns bedeuten – sowohl als Angestellte als auch als Selbstständige. Was bedeutet es, sich beruflich flexibel aufzustellen? Welche Chancen ergeben sich aus dem Wandel? Und welche Denkweisen könnten uns daran hindern, neue Wege zu gehen?

Viele von uns halten bestimmte Überzeugungen zurück:


  • Selbstständigkeit ist zu unsicher.

  • Ich brauche erst mehr Erfahrung.

  • Alles muss perfekt vorbereitet sein, bevor ich starte.


Doch was, wenn genau diese Gedanken uns nur ausbremsen? 

Heute sprechen wir über die fünf größten Denkfehler, die Dir den Start in die Selbstständigkeit erschweren – und warum es sich lohnt, sie zu hinterfragen.


Denkfehler #1: Selbstständigkeit ist zu unsicher

Viele Frauen glauben, dass eine Festanstellung mehr Sicherheit bietet als die Selbstständigkeit. Doch die Realität sieht oft anders aus: Unternehmen bauen Stellen ab, Teams werden umstrukturiert und plötzlich ist der vermeintlich sichere Job weg. Besonders im Alter kann ein Jobverlust schwerwiegende Folgen haben. Während Unternehmen verstärkt auf junge Teams setzen, haben es Fachkräfte ab 50+ oft schwer, wieder in eine vergleichbare Position einzusteigen – gerade im mittleren Management. Trotz des Fachkräftemangels zeigt sich, dass Ältere häufiger von längeren Phasen der Erwerbslosigkeit betroffen sind. Gleichzeitig ist uns allen bewusst, dass wir künftig länger arbeiten müssen. Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen in Deutschland ist zwar von 62 % im Jahr 2012 auf knapp 72 % im Jahr 2021 gestiegen (Quelle: Statistisches Bundesamt), dennoch sind Ältere nach wie vor unterdurchschnittlich am Arbeitsleben beteiligt.


In der Selbstständigkeit hast Du dagegen mehr Kontrolle über Deine Einnahmen, kannst Dir mehrere Einkommensquellen aufbauen und aktiv beeinflussen, wie sich Dein Business entwickelt – und das bis ins hohe Alter. Ja, du hast auch mehr Verantwortung, aber gerade in Bereichen wie Coaching, Beratung oder Mentoring zählt Erfahrung mehr als das Geburtsjahr. Sicherheit entsteht nicht durch eine Anstellung – sondern durch Wissen, Netzwerk, Anpassungsfähigkeit und eigene Entscheidungen.


Denkfehler #2: Ich brauche erst mehr Erfahrung

Viele glauben, sie müssten noch Jahre an Erfahrung sammeln, bevor sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Doch Fakt ist: Wenn Du heute in Deinem Job Lösungen für Probleme findest, dann kannst Du das auch als Selbstständige. Fähigkeiten wie Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke, Organisationstalent und Problemlösungskompetenz hast Du sicherlich im Unternehmensumfeld erworben und sie sind in der Selbstständigkeit von großem Vorteil.

Und denk dran: Deine Expertise wächst mit der Praxis, nicht mit dem Warten. Starte mit dem Wissen, das Du hast – und entwickle Dich unterwegs weiter. „Lebenslanges Lernen“ kann Spaß machen, wenn Du siehst, wofür Du es tust.


Denkfehler #3: Ich muss alles perfekt vorbereiten

Viele zögern den Start hinaus, weil sie glauben, dass erst alles perfekt sein muss: die Website, das Branding, das Angebot. Doch Perfektion ist eine Illusion – und oft nur eine Ausrede, um nicht loslegen zu müssen. Erfolgreiche Selbstständige haben nicht gewartet, bis alles perfekt war. Sie haben angefangen, erste Kunden gewonnen und ihr Business Schritt für Schritt weiterentwickelt. Dein Angebot wird sich ohnehin mit der Zeit anpassen – also fang an, bevor Du Dich bereit fühlst. Ich weiß, dass klingt erstmal komisch und fühlt sich falsch an, aber vertrau mir, Unsicherheit bringt Dich an dieser Stelle nicht weiter.


Denkfehler #4: Ohne großes Startkapital geht es nicht

Natürlich gibt es Geschäftsmodelle, die hohe Investitionen erfordern. Doch als Beraterin, Coach oder Solo-Selbstständige kannst Du oft mit minimalem Budget starten. Ein Laptop, Internetzugang und Dein Wissen sind die wichtigsten Ressourcen. Dienstwagen, schickes Büro und teures Marketingmaterial braucht man einfach nicht zum Starten. Viele erfolgreiche Selbstständige haben mit kostenlosen oder günstigen Tools begonnen und erst investiert, als ihr Business wuchs. Die Investition, die Du wirklich brauchst, ist Dein Mut.


Denkfehler #5: Ich schaffe das nicht allein oder Selbstständigkeit macht mich allein

Viele fürchten, dass Selbstständigkeit bedeutet, alles allein bewältigen zu müssen. Doch das stimmt nicht – und darf es auch nicht. Es gibt Netzwerke, Mentoren, Communities und Kurse, die Dich auf Deinem Weg begleiten. Der Austausch mit Gleichgesinnten ist nicht nur hilfreich, um Hürden zu überwinden, sondern auch essenziell, um langfristig motiviert und inspiriert zu bleiben.


Ein oft unterschätzter Aspekt: Für viele Menschen ist der Job mehr als nur Arbeit – er ist auch ein sozialer Anker. Kolleg*innen, Team-Meetings, gemeinsame Mittagspausen – all das gibt Struktur und Zugehörigkeit. Gerade für Selbstständige ohne Familie oder Kinder kann die Sorge bestehen, in die Isolation abzurutschen oder nicht mehr genug soziale Interaktion zu haben. Doch genau deshalb ist es so wichtig, sich aktiv ein berufliches und persönliches Netzwerk aufzubauen: durch Co-Working-Spaces, Unternehmer*innen-Communities oder regelmäßige Netzwerk-Treffen.


Niemand startet mit allen Antworten, und niemand muss den Weg alleine gehen. Die erfolgreichsten Selbstständigen sind oft diejenigen, die sich bewusst mit den richtigen Menschen umgeben – nicht nur für den fachlichen Austausch, sondern auch für die emotionale Unterstützung. Denn auch wenn Du Dein eigenes Business führst, bedeutet das nicht, dass Du auf Dich allein gestellt bist.


Selbstständigkeit – eine echte Option für Dich?


Viele Frauen zögern den Schritt in die Selbstständigkeit hinaus, weil sie glauben, dass sie noch nicht bereit sind. Sie warten auf mehr Erfahrung, die perfekte Geschäftsidee oder ein sicheres Umfeld. Doch oft zeigt sich: Der perfekte Zeitpunkt kommt nie und langsam schießen sich viele Frauen aus dem Arbeitsmarkt raus, plötzlich werden sie als „überqualifiziert“ aussortiert und fühlen einfach, dass das Angestelltendasein so nicht mehr zu ihrer Persönlichkeit passt.


Selbstständigkeit bedeutet nicht nur Unabhängigkeit – finanziell und vom Arbeitgeber, sondern auch Verantwortung – für die eigene Entwicklung, die eigene Absicherung und den eigenen Erfolg. Sie erfordert Mut, aber auch die Bereitschaft, sich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Nicht alles muss von Anfang an perfekt sein, und Fehler gehören dazu. Doch genau in dieser Flexibilität liegt die Chance, langfristig einen eigenen, erfüllenden Weg zu gestalten.


Letztlich gibt es keine universelle Antwort darauf, ob Selbstständigkeit oder eine Corporate-Karriere besser ist – es kommt darauf an, was zu Dir, Deinen Fähigkeiten und Deinen Prioritäten passt. Entscheidend ist, sich nicht von unbegründeten Ängsten oder Denkfehlern ausbremsen zu lassen, sondern bewusst abzuwägen, welche Möglichkeiten wirklich bestehen.

 
 
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