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Gründen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten

  • Autorenbild: Anja Blodow
    Anja Blodow
  • 31. Juli 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Warum Frauen längst an der Spitze der Veränderung stehen


Ganz ehrlich: Es fühlt sich grad alles ein bisschen unsicher an, oder? Die Preise steigen, Jobsicherheit ist so eine Sache, Kriege überall, wirtschaftliche Flaute und wenn man nebenbei noch ein Kind großzieht oder sich um andere kümmert, dann fragt man sich manchmal: Wie soll das eigentlich alles weitergehen?


Und trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – gehen immer mehr Frauen jetzt los. Fangen an, was Eigenes aufzubauen. Nicht weil sie so viel Zeit oder Geld übrig haben. Sondern weil sie merken: So wie’s ist, kann’s nicht bleiben. Weil sie keinen Bock mehr haben auf Schubladen. Weil sie sich nicht mehr kleinmachen wollen, nur weil irgendwer denkt, jetzt sei kein guter Moment. Weil sie spüren, dass da mehr ist und dass sie nicht ewig darauf warten wollen, dass jemand ihnen den Startschuss gibt. 


Denn wie sagte Erich Kästner so schön: „Sicherheit ist meist nur eine Illusion. Leben bedeutet, ein Risiko einzugehen.“ Und das sagte er vor über 60 Jahren!


2023 wurden in Deutschland laut KfW 568.000 Unternehmen gegründet, 251.000 davon von Frauen, das sind 44 %. Das ist für viele kein großer Knall oder eine Schlagzeile wert. Ich finde, dies geht aber in die richtige Richtung, nur sind wir noch lange nicht am Ziel.


Frauen gründen längst, nur eben etwas anders als Männer


Wenn man an Gründung denkt, denkt man oft an Tech-Startups, Pitchdecks, Wagniskapital und Skalierung. Genau deshalb nennt der Female Founders Monitor 2025 auch einen viel niedrigeren Gründerinnenanteil: nur 18,8 %. Denn er betrachtet nur Start-ups mit Wachstumsfokus, nicht das, was viele Frauen tagtäglich anpacken.

Ich kenne Frauen, die nach der Elternzeit als Coach starten, weil sie nicht zurück in starre Teilzeitstrukturen wollen. Andere eröffnen eine Manufaktur für natürliche Hautpflege, weil sie genau wissen, was ihren Kundinnen fehlt – nicht aus dem Businessplan, sondern aus dem echten Leben heraus. Andere investieren ihre Zeit in innovative Lösungen bei Ernährungsfragen oder bei der Kinderbetreuung. Alles absolut wertige und tolle Initiativen, die das Leben von vielen – im kleinen und großem – besser machen.

Diese Frauen gründen nicht, um ein Exit-Szenario zu erreichen. Sie gründen, um etwas zu bewegen, um zu helfen, zu unterstützen. Etwas aufzubauen. Etwas zu verbessern. Für sich und für andere.


Was fehlt, ist nicht Leistung, sondern Wertschätzung


Was mich wütend macht: Diese Form von Unternehmertum wird oft nicht als "richtiges" Gründen angesehen. Es fehlt nicht an Ideen, nicht an Einsatz, nicht an Wirkung – sondern an Wertschätzung.


Frauen nennen sich oft „selbstständig“, nicht „Gründerin“. Sie sagen: „Ich helfe anderen“, „Ich habe ein kleines Business“, „Ich mache das nebenbei“. Männer sagen: „Ich gründe“, „Ich habe eine GmbH“, „Ich will skalieren.“


Und genau das spiegelt sich auch in der Finanzierung wider: Laut EY flossen 2024 nur 1,0 % des Wagniskapitals an rein weibliche Teams. Ein Prozent! Das muss man sich mal vorstellen!


Nicht, weil ihre Ideen schlechter wären. Sondern weil sie anders sind. Und anders präsentiert werden. Auch von ihnen selbst. Weil toughe Frauen anecken, halten sich viele lieber ein bisschen klein. Das ist sehr schade und schadet den Frauen am meisten. Und weil es Zeit wird, dass wir alle Arten von Gründungen endlich ernst nehmen und wertschätzen, egal ob klein oder groß. Denn Mut braucht es so oder so.


Ich sehe Frauen, die unternehmerisch denken und einfach loslegen, meist ohne Businessplan. Die Wirtschaft gestalten, ohne davon zu reden. Die Neues wagen, auch wenn sie sich nicht gleich „Gründerin“ „Unternehmerin“ oder „CEO“ nennen.

Ich wünsche mir: Dass noch viele Frauen diesen Weg gehen. Egal ob mit einem kleinem Coaching-Business, Yoga-Retreats oder großem Tech-Modell. Ob mit Einzelunternehmen, GmbH oder ganz ohne Label. Denn es ist nicht die Rechtsform, die zählt, sondern der Mut, sich selbst Raum zu geben.


Ich habe 2018 selbst gegründet. Und bezeichne mich als Unternehmerin. Irgendwie konnte ich mit dem Wort „Gründung“ nie wirklich was anfangen. Ich hatte eine Idee und hab einfach losgelegt. Mitten in der Schwangerschaft. Dazugelernt in einer Situation, wo ich ein kleines Baby im Arm hielt, dass auf mich angewiesen war. Es ist eine Zeit in der Frauen – verstärkt durch wenig Schlaf – von Unsicherheiten, generellen Ängsten und konkreten Zukunftsängsten geplagt sind. Eine Zeit, in der man an alles denkt, aber eigentlich nicht daran sich selbstständig zu machen. Viele inklusive meines Partners haben mich für irre gehalten, auch, weil ich damit meinen gut bezahlten Job als Anwältin an den Nagel gehängt habe. Aber es passte, für mich war es die richtige Zeit.


Natürlich weiß ich aber, wie viele Fragen da am Anfang mitschwingen und kenne die Ängste die einen immer wieder mal einholen, aber ich habe den Schritt nie bereut. Da wo ich nicht weiterkam, suchte ich mir Unterstützung und eines habe ich gelernt – wenn Du fragst, bekommst Du oft mehr Hilfe als Du erwartest. Aber Du musst fragen.

Deshalb sage ich Dir: Du musst das nicht allein machen. Such Dir Menschen, die den Weg schon vorher beschritten sind, die Dir sagen können was bei ihnen funktioniert hat und was nicht, was Du zum Start brauchst und was nicht (z.B. ein Firmenwagen, Büro, Visitenkarten und vieles mehr…). Du musst ja nicht alle „Fehler“ selber machen. Auch wenn Dir das Deine Eltern oder Großeltern immer wieder sagen. Zwar kann man aus seinen Fehlern lernen – aber das geht auch besser.


Wer weiß: vielleicht ist genau jetzt – in all der Unsicherheit – der richtige Moment für Dich, loszugehen.

Denn:


  1. Du kennst echte Bedürfnisse. Als Frau, Mutter, Partnerin, Kollegin oder Freundin hast Du oft einen ganz anderen Blick auf die Welt und genau daraus entstehen Ideen und Angebote, die Menschen wirklich brauchen.

  2. Du brauchst kein perfektes Konzept. Viele Frauen starten mit einer Idee, die sie sofort umsetzen, pragmatisch, nah am Leben, ohne den 100-Seiten-Businessplan. Und genau das trifft den Nerv der Zeit.

  3. Flexibilität ist ein Vorteil, kein Makel. Du musst nicht 24/7 hustlen, um ernst genommen zu werden. Selbstständigkeit kann Dir genau die Freiheit geben, die Angestelltenverhältnisse oft nicht bieten.

  4. Netzwerke waren nie so stark wie heute. Noch nie war es so einfach, Unterstützung, Austausch und Sichtbarkeit zu finden – online wie offline. Du bist nicht allein, und Du musst es auch nicht sein. Mit mir hast Du schon Deine erste Anlaufstelle😊

  5. Du darfst Deinen eigenen Weg gehen. Ob nebenbei oder in Vollzeit, mit Yogastudio oder Softwareprodukt, mit Kleinunternehmen oder GmbH: Du bestimmst, wie Deine Gründung aussieht, nicht irgendein Gründungsleitfaden oder die „Gesellschaft“ die Unternehmen als wertig oder nicht wertig einordnet.




Quellen:


  • KfW-Gründungsmonitor 2024

  • Female Founders Monitor 2025 – Bundesverband Deutsche Startups

  • EY Startup-Barometer Deutschland 2024


 
 
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